US Open 2013 Halbfinal: Krachermatch zwischen Stanislas Wawrinka und Novak Djokovic

0
2

Der Sieg gegen die aktuelle Nummer 3, Andy Murray, im Viertelfinalspiel der US Open 2013 muss Stanislas Wawrinka wirklich gut getan haben. Entsprechend tritt er selbstbewusst, ruhig und konzentriert bei seinem 1. Halbfinalspiel eines Grand Slam Turniers auf. Gleich von Anfang macht er bei Djokovic weiter, wo er bei Murray geendet hat: Mit beeindruckenden Backhand-Longline-Passierschlägen, einer starken Vorhand, überzeugenden Winnern und präzisen Schlägen, gegen die Gegner machtlos sind. Und zur Überraschung vieler holt er sich den 1. Satz mit 6:2. Nun konnten seine Fans wirklich vom Einzug in den Final träumen.

Der erste Wendepunkt
Auch der 2. Satz verläuft anfangs vielversprechend und Wawrinka führt mit 4:2, doch dann scheint Djokovic aufzudrehen, wirkt aggressiver, entschlossener, präziser und holt sich das Break und gleicht alsbald zum 4:4 aus. Es folgen beeindruckende Ballwechsel, einer mit 22 Schlägen. Beim Stand von 5:6 gegen Wawrinka muss er sich ins Tie-Break retten, will er den 2. Satz noch holen. Beim 1. Aufschlag zeigt sich eine Schwäche von Stan: Doppelfehler beim Aufschlag und es steht 0:15 gegen ihn. Mit starken Aufschlägen und Winnern holt er sich jedoch das Game. Wawrinka zeigt sich cool und spielt beeindruckend, souverän gegen die Nummer 1 der Welt. Doch sichere erste Aufschläge sind bei Stan noch echt Mangelware, die Statistik spricht zu diesem Zeitpunkt von 44%.
Das Tie-Break wird ein Nervenkracher. Djokovic geht 2:0 in Führung, doch mit einem Winner und einem Klasse-Rückhand-Passierball gleicht Wawrinka zum 2:2 aus. Doch dann wieder Doppelfehler beim Aufschlag Wawrinkas und es steht 4:2 für Djokovic. Es folgt ein Wahnsinns-Ballwechsel mit 27 Schlägen und einem Vorhandwinner von Wawrinka 4:3. Stan zeigt ungeheuren Mumm und Kampfgeist. Nun ist Djokovic wieder an der Reihe und er verwertet seine Aufschläge, weswegen er am Ende das Tie-Break für sich entscheidet und den 2. Satz holt. Nun steht es 6:2, 6:7 Wawrinka:Djokovic.

Die Ruhe vor dem Sturm
Der 3. Satz wirkt ausgeglichen, etwas ruhiger, es scheint beide Spieler müssen dem Tempo und den kraftraubenden Ballwechsel im 2. Satz Tribut bezahlen. Wawrinka will seine Games gewinnen und seine Zähigkeit zahlt sich aus: Als Djokovic zum 4:4 aufschlagen will, verliert er sein Aufschlagspiel und es steht 5:3 für Wawrinka. Doch Djokovic gibt sich nicht geschlagen und versucht, das Blatt wieder zu wenden. Wawrinka schlägt zum 6:3 auf, es steht 30:30 und nun folgt ein unglaublich langer Ballwechsel, bis Djokovic aus Erschöpfung ins Netz schlägt. Mit einem Winner macht Stan den Sack zu und holt sich den 3. Satz. Nun steht es 6:2, 6:7 und 6:3 für Wawrinka.

Die Geduldsprobe
Der 4. Satz beginnt vielversprechend: Wawrinka liefert ganz starke Returns, super Backhandwinners. Doch das Spiel wendet sich: Djokovic holt sich sein Game und Wawrinka steht bei eigenem Aufschlag plötzlich mit 0:40 hinten. Wird er übermütig, unvorsichtig? Er holt zum 30:40 auf und dann wieder Doppelfehler und es steht 2:0 für Djokovic. Beim Stand von 4:1 gegen Wawrinka nimmt sich Stan eine medizinische Auszeit und verschwindet in den Katakomben. Es wird über Leistenprobleme von Wawrinka gemunkelt. Zum Ärger von Djokovic bleibt er länger weg als erwartet. Bei seiner Rückkehr auf den Court wirkt er etwas erfrischt, doch er beginnt mehr Schläge zu verhauen. Vielleicht fehlt ihm die Geduld? Man hat manchmal das Gefühl, als fehle ihm die Geduld, als wolle er jetzt gleich gewinnen, wo er doch in Sätzen in Führung liegt. Das sollte sich rächen: Am Ende steht es 6:3 für Djokovic und Ausgleich bei den Sätzen: 6:2, 6:7, 6:3, 3:6 Wawrinka:Djokovic.

Das ewige Tauziehen um das Break
Nach dem 4. Satz und dem bisherigen Verlauf kommen erste Zweifel auf, ob es Wawrinka schaffen kann, Djokovic zu besiegen und in den Final einzuziehen. Hat er noch die Kraft und die Nerven? Wawrinka beginnt den Satz, macht gleich Fehler und steht mit 0:30 hinten. Doch er kämpft sich zurück und holt sein Game. Wawrinka beeindruckt mit starken Aufschlägen mit über 200 km/h, mit präzisen Schlägen, aber häufig zeigt er sich im entscheidenden Moment zu ungeduldig und macht unnötige Fehler. Wenn er sich Zeit nimmt und lange Ballwechsel zulässt, gewinnt er. Beim Stand von 1:1 und Aufschlag Wawrinka kommt es zu einem unglaublichen Game, das über 20 Minuten dauern soll. Beim Stand von 40:40 kommt es zum Deuce. Hier versucht Djokovic zum Todesstoss anzusetzen und versucht auf Teufel komm raus Wawrinka zu breaken. Wir zählen am Ende 5 Breakchancen für Djokovic, 12 x Deuce und bewundern einen Fight, der es in sich hat: Wawrinka zeigt super Longline-Bälle, wie nur ein Champion sie spielen kann: Er hat das Zeug zum Sieg. Und am Ende holt sich Wawrinka sein Game, führt 2:1 und hat den hartnäckigen Break-Versuch von Djokovic erfolgreich abgewehrt. Viele denken nun: „Jetzt hat er es geschafft“, viele glauben, das ist der entscheidende Wendepunkt für Wawrinka. Doch es soll anders kommen. Nachdem sich Djokovic problemlos ein Game holt und zum 2:2 im Satz azfschliesst, kommt Wawrinka bei seinem nächsten Aufschlagspiel wieder unter Druck und steht alsbald mit 15:40 hinten. Djokovic schlägt zu und holt sich das Break zum 3:2 und geht mit 4:2 im letzten Satz in Führung. Wawrinka gibt nicht auf, aber der erste Aufschlag bleibt seine Schwäche. Er kämpft sich nochmals an Djokovic heran, es steht 4:5 Wawrinka:Djokovic im letzten Satz, doch Djokovic ist zu routiniert, als dass er sich diese Chance noch nehmen lässt und holt sich nach über 4 Stunden den Satz mit 4:6 und das Match mit 6:2, 6:7, 3:6, 6:3, 4:6 Wawrinka: Djokovic.

Am Ende hat Wawrinka wirklich wenig gefehlt. Hätte er besser aufgeschlagen und nicht so viele erste Aufschläge vergeben, wäre das Match wahrscheinlich an ihn gegangen. Djokovic kam im Match unter Druck, doch zeigte eben, dass es nicht alleine um Technik oder Herz geht, sondern auch um Erfahrung, Souveränität und den unerschütterlichen Glauben an sich selbst. Er hat nie an sich gezweifelt und konnte in den notwendigen Momenten immer noch eine Schippe drauflegen. Djokovic zog verdient in den Final ein, doch Wawrinka hat sich international einen unheimlich starken Namen mit seinen Auftritten an den US Open 2013 gemacht. Das war ein neuer Wawrinka, ein unglaublich starker Wawrinka, ein alle begeistender Wawrinka: Chapeau für diese Leistung! Die Menge hat nicht ohne Grund so getobt und ihn angefeuert, Stan hat sie mit seinem unbändigen Siegeswillen und mit seinem Herz in Bann gezogen und sie für sich gewonnen! Weiter so, Stan, und der erste Grand Slam Sieg kann und wird kommen.

Die Interviews nach dem Match

US Open 2013 Halbfinal: Stanislas Warinka gegen NovakDjokovic
US Open 2013 Halbfinal: Stanislas Wawrinka gegen Novak Djokovic

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here