Trentino Dolomiti Brenta Bike: Auf Du und Du mit dem Bär

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Bären wird man zwar kaum zu Gesicht bekommen, ausser man besucht sie im Tierpark, aber bärenstark ist die Region auf alle Fälle. Die Dolomiti Brenta Bike ist ein Riesengebiet mit zahllosen Touren, darunter zwei Umrundungstouren der Brentadolomiten, durchwegs freundlichen Menschen, einer wunderschönen Natur und dies alles zum Schnäppchenpreis: dies alles spricht für einen Abstecher in ein von Bikern noch ziemlich unberührtes Trentino.

von Rolf Fleckenstein

Die erste Frage, die man sich stellen muss, wenn man an einen fremden Ort reisen will, ist vermutlich die Frage danach, was man dort finden kann, was man nicht gleich so gut zu Hause oder woanders bequemer findet. Mit diesen Gedanken begab ich mich auf den Weg nach Trentino, um die Region als Ferienregion für Biker aus der Schweiz auszukundschaften. Ohne Erwartungen stieg ich in den Wagen, der mich zuerst auf die Autobahn nach Chur/St. Margarethen und auf der Höhe Diepoldsau über die Grenze nach Österreich führte, um über die Autobahn A14 und A12 nach Innsbruck zu gelangen – Österreichische Autobahnvignette nicht vergessen, die Österreichische Polizei kontrolliert dies gerne! – und anschliessend über die Brennerautobahn nach Trento, um von dort hoch nach Riva del Garda/Madonna di Campiglio abzuzweigen. Beeindruckend insbesondere bei sonnigem Wetter zeigen sich auf der Fahrt die zahlreichen imposanten Gebirge, die Österreich zu bieten hat, wer hätte das gedacht. Als Neuling von Österreich staunt man nicht schlecht. Auf italienischer Seite sind die Dolomiten einzigartig. Riesige Felsen türmen sich in der Ebene auf und machen einen gigantischen Eindruck. Die Dolomiten sind eine Gebirgskette der Südalpen, die sich auf die italienischen Regionen Venetien und Trentino-Südtirol verteilen und seit 2009 teils zum UNESCO Weltnaturerbe gehören. Die faszinierende Gebirgsformationen der Dolomiten mit ihren häufig mächtigen Zackenformen und ihrer imposanten Erscheinung ist Grund für zahllose Reisende, diese Regionen zu besuchen. Ebenso imposant sind die zahllosen Brummis auf der Autobahn, die vom Norden in den Süden fahren und umgekehrt. Der Weg von Trento Nord in die Höhe gen Comano Terme zeigt sich kurvenreich und ist gespickt mit dem Anblick riesiger Felsformationen, die sich vor den Augen des Besuchers aufbauen. Gewaltig. Nach rund 500 km und 5 Stunden später komme ich in Comano Terme an.

Der erste Eindruck
Die Region erinnert mich an Graubünden und Tessin. Der Ort wirkt einfach, fast unscheinbar, die Leute sind nett und freundlich, keine mondäne Glitzerfassade, sondern schlichtes Sein. Luxus scheint es, nicht zu geben. Im Tourismusverein treffe ich Valentina, die mir die Gegend zeigen will und mir die Brenta Bike erklären. Doch bei der Unterkunft hapert es bereits. Verwöhnt wie ich bin, habe ich Mühe, ein luxuriöses Hotel zu finden. Das ist etwas, das Biker üblicherweise überhaupt nicht interessiert. Aber wichtig zu wissen ist, dass die Sternekategorie in Italien nicht derjenigen der Schweiz entspricht, denn jedes Land hat seine eigenen Regeln für die Vergabe der Anzahl Sterne. Bei der Hotelsuche muss man das bedenken und sich besser im Internet gut informieren. Ich checke ein in der Villa di Campo, einer geschichtsträchtigen Villa mit einem herrlichen Park mit Pavillons und neu renovierten, stilvoll eingerichteten Zimmern. An wenigen Stellen bröckelt das alte Gemäuer, was wahrscheinlich auf die Erdbeben vor einigen Wochen zurückzuführen ist. Ich nehme die Suite mit einem schönen Marmorbad. Es duftet etwas weiblich im Zimmer, nach Blüten oder so, aber was soll’s. Ich bin müde und will nur ‘was Essen und dann ins Bett. Doch hier tritt eine Eigenart der Italiener in Erscheinung, die man sich merken sollte: Die Italiener essen zeitig, mittags um 12.00 Uhr, abends um 18.30 Uhr, die Folge das Restaurant hat nur bis 21.00 Uhr geöffnet und wir haben bereits 20.15 Uhr. Man tut deshalb gut daran, das Restaurant zu kontaktieren, wenn man später essen will. In der Schweiz kennt man das auch vom Tessin, für Amerika- oder Südfrankreichfans, wo man bis in die frühen Morgenstunden essen gehen kann, ist dies gewöhnungsbedürftig. Ich möchte nicht hetzen und entscheide, einen abendlichen Ausflug nach Riva del Garda zu machen, das rund 25 km entfernt liegt und das ich noch nie gesehen habe.

Die Hotels
Wir haben bedecktes Wetter, als ich am Morgen aufstehe, nicht verheissungsvoll, um einen Ausflug im Freien zu unternehmen, hoffen wir das Beste. Doch der Tag startet nicht gut. Warmwasser ein Fremdwort? Als ich duschen will, gibt es kein Warmwasser, ein echter Ärger, dann muss es halt mit Kaltwasser gehen. An der Rezeption erklärt man mir, dass sie heute ein Problem mit der Wasserleitung haben. Auch wenn dies sicherlich eine Ausnahme ist, aber so locker sind wir in der Schweiz nicht. Das müssen die italienischen Hoteliers unbedingt lernen, dass der Nordländer diskussionslos erwartet, dass alles funktioniert. Solche Dinge nehmen die Italiener offensichtlich lockerer als wir, für meinen Geschmack etwas zu locker! Als Gast gilt man offensichtlich schnell einmal als Teil der Familie, der leicht verzeiht. Solche Erlebnisse sind es, welche Reisenden die Mentalität des fremden Landes zeigen und die man annehmen muss, will man den Menschen hier wirklich begegnen und nahe kommen. Ich muss also lockerer werden. Auch beim Betreten des Frühstückraumes kommt keine Fröhlichkeit bei mir auf, es ist Nebensaison und ich bin fast alleine. Doch schon zaubert mir die nächste Eigenart der Italiener ein Lächeln ins Gesicht: Die Italiener essen wirklich viel Süsses zum Frühstück, ich bin erstaunt, ein richtiges Dessertbuffet ist aufgebaut mit mehreren selbst gemachten Kuchen, Torten und Biskuits. Für Fans von Süssigkeiten ein richtiges Paradies. Daneben aber auch Schinken, Salami, Käse, Brötchen, Butter, Konfitüre und alles, was sonst so das Herz begehrt. Und noch eine Eigenart: Ein Kaffee ist nicht ein Kaffee, ein Kaffee ist ein Espresso, unseren Kaffee nennen die Italiener „amerikanischen Kaffee“. Ich bin froh, als ich endlich im Freien bin, um mit Valentina und den Bikern die Gegend zu erkunden. Wie gesagt, es gibt zahllose Unterkünfte in der Region, schaut sie Euch auf dem Netz gut an und erkundigt Euch. Es hat zwar keine offiziellen Luxushotels, aber eines das diesen Rang definitiv verdient: Das Grand Hotel Terme in Comano Terme ist ein luxuriöses topmodernes 4-Stern-Superior-Hotel, das wunderschön, geradezu idyllisch im Park liegt, über einen herrlichen Outdoor- und Indoor-Pool verfügt, über einen modernen Spa- und Fitness-Bereich und stilvolle Zimmer und Suiten, in denen das Thermalwasser fliessen kann und die mich mit ihren Preisen von 109 Euro pro Person im Doppelzimmer und 149 Euro für die Suite sprachlos machen. Wer also hohe Ansprüche hat und es luxuriös haben will, muss im Grand Hotel Terme in Comano Terme einchecken, dort werden Luxuswünsche wahr. Es geht also auch luxuriös, wenn man bloss die richtige Adresse kennt.

Die Region
Genug analysiert. Ich treffe Valentina und die Bikerin Karen, eine Amerikanerin, die in Miami lebte und seit zwei Jahren ihrer Liebe wegen in der Region lebt und mehr als glücklich ist, wie sie sagt. Wir machen uns auf den Weg nach Madonna di Campiglio, dem weltberühmten Skiort, den viele aus dem Internationalen Skiweltcup her kennen werden, um unseren Bikeguide Andrea zu treffen. Madonna di Campiglio liegt rund 40 km entfernt auf 1550 m ü. M. und auf dem Weg dorthin wird ein wesentliches Merkmal der Region augenfällig. Das Gebiet ist riesig! Die Biketouren verlaufen durch den Naturpark Adamello-Brenta, der im Westen von der Adamello-Presanella-Gruppe begrenzt wird und im Osten von den Brenta-Dolomiten. Er umfasst eine Fläche von rund 620 km2 und ist damit nur wenig kleiner als da Oberengadin mit seinen 722 km2. Die im Prospekt genannten Touren mit einer Länge von 171 km bzw. 136 km klingen auf den ersten Blick nicht nach viel, wenn man an MTB-Regionen wie z.B. Flims denkt, die gerne von ihrem 330 km grossen Routennetz schwärmen, deren Touren sich bei näherer Betrachtung jedoch häufig zwischen 10 und 35 km bewegen. Die Eigenheit der Region ist der Naturpark mit ihrem Wappentier. Der Naturpark wurde angelegt, um den Braunbären vor dem Aussterben zu retten. Deshalb ist der Bär auch das Maskottchen der Ferienregion. Heute leben im Park gegen 40 frei lebende Braunbären. Ich muss aber alle Tierfreunde enttäuschen: Die Chance, einen frei lebenden Bär zu Gesicht zu bekommen, liegt bei ca. 0%. Wer einen Bären sicher antreffen will, muss sich ins Besucherzentrum „Braunbär“ mit zugehörigem Tierpark nach Spormaggiore begeben. In der Dolomiti Brenta Bike (DBB) umrunden Biker die im Kern befindlichen Dolomiten der Brenta Gruppe und durchqueren dabei sechs unabhängige regionale Gebiete, die alle über eine eigene Tourismusorganisation verfügen und sich in ihrem Charakter mitunter stark voneinander unterscheiden, die sich aber zur Dolomiti Brenta Bike zusammengeschlossen haben. Wer also denkt, er mache hier eine kleine Tour in einem kleinen Gebiet, der sei gewarnt, er irrt sich gewaltig. Es erwartet ihn ganz anders eine vielseitige und grosse Ferien- und Naturregion, die unterschiedlichste Ansprüche und Wünsche erfüllt.

Die Touren: Expert, Country
Speziell für die Mountainbiker wurden zwei Touren ausgearbeitet, auf welchen sie bestens ausgeschildert die hiesigen Brenta-Dolomiten im Gegenuhrzeiger-sinn umrunden. Die „Expert“-Tour richtet sich an sportliche Biker, die auf ihrer Tour 171 km zurücklegen und 7‘700 Hm überwinden. Steile Anstiege, berauschende Abfahrten, den grössten Teil auf Schotter-, Waldstrassen und Trails, in greifbarer Nähe der faszinierenden Dolomiten und an herrlichen Seen vorbei ist die Tour ein Naturerlebnis der Extraklasse. Die „Country“-Tour ist einiges zahmer und richtet sich mit ihren 136 km und 4‘600 Höhenmetern an Familien und Genussbiker, die zum grossen Teil die Strasse und den Radweg in Anspruch nehmen, selbst ein Bahnabschnitt ist eingeplant. Steile Ansteige und anspruchsvolle Downhills werden hier vermieden, dafür ist die Region und der Anblick der Dolomiten nicht weniger schön, wolkenfreie Sicht vorausgesetzt. Dabei hat sich die Region gut organisiert und verfügt über rund 100 spezielle Hotels, Hütten und Bauernhöfe, die für 10 Euro jeweils den Gepäcktransport an die nächste Station übernehmen und Bikerpackages ab 190 Euro anbieten. Das ist ein toller Service, schliesslich wollen Biker sich auf die Fahrt und die Gegend konzentrieren und nicht aufs Koffer-schleppen und über die Preise brauchen wir nicht reden, die sind für Schweizer Verhältnisse einfach Spitze. Umfangreiches Informations- und Kartenmaterial und eine gute Beschilderung helfen, die Tour ohne grosse Navigationskenntnisse meistern zu können. Auch finden sich in der Region zahlreiche Bikegeschäfte, die Bikes reparieren und vermieten. Selbst E-Bikes soll man nach Auskunft von Valentina mieten können! Ebenfalls finden sich zahlreiche Guides und Mountainbike-schulen. Bikerbedürfnisse sind also rundum abgedeckt. Selbstverständlich steht es aber jedem frei, zu entscheiden, ob er die Region auf einer der beiden Touren umrunden oder auf eigene Faust Tagestouren in den einzelnen Regionen unternehmen will. Apropos Zweiräder, auf der Strasse ist man nicht alleine. Auch die Motorradfahrer haben diese Region für sich entdeckt. Unzählige Motorradfahrer jagen während meiner Entdeckungsreise in kleineren und grösseren Gruppen durch die kurvenreichen Strecken der Region, denn hier ist man noch frei, ausser in den Dörfern, in denen heutzutage viele Radarkästen stehen. So gesehen kann man wahrlich von einem kleinen Zweiradparadies sprechen.

6 Gebiete in einem
Wie gesagt, ist die Region alles andere als klein und die Unter-schiede zwischen den Gebieten sind mitunter sehr gross, weshalb es insgesamt 6 Unterregionen mit 6 lokalen Tourismusvereinen gibt. Dazu gehören die „Terme di Coma-o“ im Süden, die „Paganella“ im Südosten, das „Val di Non“ im Nordosten, das „Val di Sole“ im Nordwesten, „Madonna di Campiglio“ im Westen und die „Valli Giudicare“ im Südwesten…..

Den ganzen Artikel finden Sie/findet Ihr in der Ausgabe 03/2012
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