Ski WM 2017: Ausgleichende Gerechtigkeit

Bild von links nach rechts: Kjetil Jansrud (Silber), Erik Guay (Gold), Manuel Osborne-Paradis (Bronze) (Copyright: Ski WM St. Moritz 2017)

Trotz seines sagenhaften Talentes hat Kjetil Jansrud während der gesamten Weltcup-Saison 2017 leiden müssen. Hatte er die Weltcup-Saison 16/17 wie gewohnt erfolgreich begonnen, lief ihm 2017 alles schief. Er patzte an so grossen Rennen wie auf der legendären Streif in Kitzbühel mit einem 36. Rang bei der Abfahrt und einem 9. Rang beim Super-G: Was war los? Verflixtes Jahr? Sinnkrise? Er konnte anfassen, was er wollte, er schaffte es nicht, seine technische und fahrerische Überlegenheit in Punkte und Siege umzumünzen, wie er es in der Vergangenheit getan hatte. Umso beglückender war der WM Super-G, bei dem ihm neben seinem fahrerischen Können auch das Glück hold war und er endlich wieder aufs Treppchen stieg.

Das Rennen eröffnete an diesem Tage der Österreicher Vincent Kriechmayer, den so niemand auf der Rechnung hatte, der jedoch zur Überraschung vieler am Ende auf Platz 5 stand. Das zeigte sich vor allem, als Fahrer wie Peter Fill, Beat Feuz oder Dominik Paris hinter ihm Platz nehmen mussten. Erst als Kjetil Jansrud mit der Nummer 9 ins Rennen ging, sollte sich dies ändern. Bereits die Zwischenzeiten liessen Gutes erahnen, denn er lag vorne, seine Fans fieberten mit und jubelten mit ihm, als er ihm Ziel die Hände in die Höhe strecken konnte und als bisher Schnellster durchs Ziel schoss und damit den jungen Österreichener Kriechmayer von der Führungsposition ablöste. Dass er damit gute Chancen auf den Thron hatte, zeigte sich auch, als Max Franz ins Rennen stieg und es mit 1.37 Sekunden Rückstand auf ihn beendete. Mit der Glückszahl 13 stieg sein Landsmann Alexander Aamondt Kilde ins Rennen und zeigte mit einer beherzten Fahrt, dass er an das Norweger-Duo Jansrud Svindal (verletzt) aufschliessen will und kann und schloss auf dem 2. Platz: Doppelführung Norwegen, ja, nun war der Jubel gross! Dann kam der Kanadier Erik Guay, der in den vergangenen Jahren mittelmässige Resultate ablieferte – beim letzten Super-G in Kitzbühel landete er auf dem 20. Platz. Dass die WM allerletzte Kräfte zu mobilisieren vermag, zeigte sich an diesem Tag. Erik Guay, der an der letzten WM in Schladming auf dem 23. Platz landete und an der Olympiade nichts zu reissen vermochte, lieferte sich das Rennen seines Lebens. Bestzeit bei der Zwischenzeit liess aufhorchen und überraschte, und vor allem die Tatsache, dass er die bis ins Ziel nicht mehr losliess und das Rennen mit einem satten Vorsprung von 0.45 Sekunden auf Jansrud gewann! Was für eine Sensation! Die grösste Überraschung des Tages sollte aber erst noch kommen. Mit Nummer 26 ging der Kanadier Manuel Osborne-Paradis ins Rennen. In den vergangenen Jahren fand man ihn auf den hinteren Rängen zwischen Rang 15 und 40. Doch es scheint, als ob die Führung seines Landsmann Erik Guay, der ihm noch wichtige Tipps vom Zielgelände für die Fahrt hinauf funkte, ihn zu Höchstleistungen inspirierte. Er war der Überraschungsfahrer des Tages, der sich mit 3 Hundertstel Vorsprung zwischen die Norweger quetschte und die Bronzemedaille holte.

So standen am Ende des Rennen drei Fahrer auf dem Podest, die in der jüngeren oder längeren Vergangenheit vom Glück verlassen worden waren und nun für einmal vom Glück auserwählt. Das ist wahrhaft ausgleichende Gerechtigkeit und wiederspiegelt die Spannung der Weltmeisterschaft, die in der Unvorhersehbarkeit des Rennens und der Sieger besteht. Das Schicksal hatte an diesem Tag wieder einmal zugeschlagen und jegliche Logik ausser Kraft gesetzt: Ein echtes Sportmärchen!

RangStartnummerAthletinNationFahrzeitAbstand
114GUAY Erik1:25.38
29JANSRUD Kjetil1:25.83+0.45
326OSBORNE-PARADIS Manuel1:25.89+0.51
413KILDE Aleksander Aamodt1:25.92+0.54
51KRIECHMAYR Vincent1:26.26+0.88
68PINTURAULT Alexis1:26.28+0.90
76SANDER Andreas1:26.35+0.97
819JANKA Carlo1:26.37+0.99
97PARIS Dominik1:26.40+1.02
1017REICHELT Hannes1:26.47+1.09
113FILL Peter1:26.49+1.11
125FEUZ Beat1:26.51+1.13
1311FRANZ Max1:26.75+1.37
1428GIEZENDANNER Blaise1:26.96+1.58
144GANONG Travis1:26.96+1.58
162THEAUX Adrien1:26.99+1.61
1734CATER Martin1:27.19+1.81
1825ROGER Brice1:27.22+1.84
1923CASSE Mattia1:27.29+1.91
2024CAVIEZEL Mauro1:27.30+1.92
2120HIRSCHER Marcel1:27.43+2.05
2222KUENG Patrick1:27.44+2.06
2331BUZZI Emanuele1:27.54+2.16
2438HROBAT Miha1:27.76+2.38
2533NETELAND Bjoernar1:28.18+2.80
2616FERSTL Josef1:28.22+2.84
2745FAARUP Christoffer1:28.24+2.86
2843COCHRAN-SIEGLE Ryan1:28.76+3.38
2946VON APPEN Henrik1:28.87+3.49
3036KOELL Alexander1:28.94+3.56
3153ZUBCIC Filip1:29.05+3.67
3221HUDEC Jan1:29.31+3.93
3337OLIVERAS Marc1:29.35+3.97
3439FEASEY Willis1:29.60+4.22
3541TRIKHICHEV Pavel1:29.78+4.40
3655PFIFFNER Marco1:29.81+4.43
3752BYDLINSKI Maciej1:29.83+4.45
3854KLUSAK Michal1:30.19+4.81
3949BERNDT Ondrej1:30.40+5.02
4058ZABYSTRAN Jan1:30.64+5.26
4164DANILOCHKIN Yuri1:30.94+5.56
4265ACHIRILOAIE Ioan Valeriu1:31.59+6.21
4361HORWITZ Kai1:32.11+6.73
4444BARWOOD Adam1:32.82+7.44
4563STEVOVIC Marko1:32.93+7.55
4670BREITFUSS KAMMERLANDER Simon1:33.27+7.89
4760ZAKURDAEV Igor1:34.68+9.30
4866KOVBASNYUK Ivan1:34.77+9.39
4971TAHIRI Albin1:36.29+10.91
5072PIMENOV Taras1:43.88+18.50
5169SHCHERBAKOVSKIY Nikita1:48.70+23.32
68KEKESI MartonDNF
67LUIK JuhanDNF
62BENDIK MartinDNF
59VON APPEN SvenDNF
57ZAMPA AndreasDNF
56LAIDLAW HarryDNF
51ULLRICH MaxDNF
50ZAMPA AdamDNF
48KRYZL KrystofDNF
47JENOT OlivierDNF
42VUKICEVIC MarkoDNF
40KUZNETSOV IvanDNF
35MONSEN FelixDNF
32VERDU JoanDNF
30KOSI KlemenDNF
29DRESSEN ThomasDNF
27BIESEMEYER ThomasDNF
18WEIBRECHT AndrewDNF
15MAYER MatthiasDNF
12COOK DustinDNF
10KLINE BostjanDNF <br />

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