GP Bahrain 2018: Die Reifenstrategie entscheidet

Der GP von Bahrain 2018 ist geprägt von der sich anpassenden Taktik beim Reifenwechsel. Sie entscheidet zugunsten Vettel und Ferrari und gegen Bottas und Mercedes. Im Mittelfeld zeigen sich spannende Kämpfe. Die Formel 1 ist 2018 unterhaltsamer denn je.

Was sich gestern abgespielt hat, schien sich heute im Rennen im Grossen und Ganzen zu wiederholen. Verstappen war wieder einmal etwas übermotiviert, Ferrari dominierend, Mercedes suchte die clevere Reifenstrategie und Gasly bestätigte sein gutes Qualifying-Resultat mit einem vierten Platz.

Der Start verläuft fast ein wenig unspektakulär, Vettel zieht weg, Räikkönen hat etwas mehr Mühe und wird von Bottas überholt und in den mittleren Rängen wird gekämpft wie verrückt. Da machen sich Hülkenberg und Magnussen das Leben schwer, Gasly, Alonso und Ocon kämpfen um die Plätze und Verstappen übertreibt es und drängt Hamilton ab und holt sich dabei einen Platten. Er schleppt sich zwar noch an die Box, doch nach ein paar Runden ist Schluss für ihn. Tragisch ist, dass Dani Ricciardo in der 2. Runde ebenfalls das Licht ausgeht, technischer Defekt: Doppelausfall für Red Bull – was für eine Pleite.

Spannende Kämpfe im Mittelfeld und Reifenpoker zwischen Ferrari und Mercedes
Vor allem die Kämpfe im Mittelfeld machen das Rennen unterhaltsam. Da kämpft Magnussen mit Gasly und Hülkenberg mit Ocon und prompt überholt der zurückversetzte Hamilton in einer Kurve gleich drei Fahrer: Alonso, Ocon und Hülkenberg und schiebt sich in Runde 5 bereits auf den 6. Platz. Kurze Zeit später schnappt sich Hamilton auch noch Magnussen und damit den 5. Platz. In Runde 8 ist es dann soweit und Hamilton überholt Gasly und schiebt sich auf den 4. Platz. Der Abstand zu Vettel beträgt 14 Sekunden. Dann beginnen die Teams mit den Reifenwechsel. Gasly und Hülkenberg wechseln in Runde 16 auf Medium-Reifen, Vettel in Runde 18 auf Medium und in Runde 20 kommt Räikkönen für den Reifenwechsel an die Box. In Runde 21 wechselt Bottas auf die weissen Reifen, er soll sie quasi für Lewis testen. In Runde 28 beträgt der Abstand zwischen Vettel und Hamilton 25 Sekunden – zu weit, um ihn mit einem Reifenwechsel zu schlagen. Insbesondere die beiden führenden Teams zermartern sich den Kopf, wie man das gegnerische Team mit der richtigen Reifentaktik überholen kann oder auf Distanz halten. In Runde 30 überholt Ericsson auf Alfa Romeo Sauber Sergio Perez auf Force India, da ist wohl der Ferrari-Motor die volle Wucht, das ist jetzt auch wirklich neu. In Runde 34 hat Hamilton noch 21 Sekunden Abstand. Nun wird klar, dass Vettel verlieren wird, wenn er die Reifen wechseln wird. Was wird Ferrari tun? In Runde 36 kommt Räikkönen für den Reifenwechsel an die Box, doch aus dem Ganzen wird nichts. Räikkönen fährt los, obwohl die hinteren Reifen noch nicht gewechselt sind und überfährt einen Mechaniker und wird gleich wieder zurück gepfiffen. Aus für Räikkönen! Unfall in der Ferrari-Box! Diese verdammte Reifentaktik macht alle wirr. In Runde 43 wird offensichtlich, dass Vettel nicht zum Reifenwechsel an die Box kommt, sondern dass Ferrari den Reifenplatzer riskiert, um den Abstand zu halten und den Sieg zu holen. Der Abstand in der 48. Runde beträgt 5.8 Sekunden von Vettel auf Bottas und 12 Sekunden von Bottas auf Hamilton. Das Problem bei der Reifengeschichte ist, dass die Teams auch keine Erfahrungen mit den völlig neuen Reifenmischungen von Pirelli haben, daher bleibt alles ein Wagnis. Bottas kommt näher und näher, die Reifen von Vettel greifen schlechter als diejenigen von Bottas. In Runde 53 hat er noch 2.7 Sekunden Abstand, in Runde 54 1.8 Sekunden und in Runde 55 1.1 Sekunden. Kann Bottas es in einer DRS-Zone schaffen, Vettel zu überholen? Das Zittern beginnt. Doch Bottas ist ein Vernunftmensch und riskiert nicht alles. Ein, zwei Angriffe erfolgen, doch auch ein Verbremser ist drin, sodass Vettel in grosser Reifennot doch noch den verdienten Sieg mit mutiger Reifentaktik erringt und damit den Sieg seines 200. Grandprix nach Hause fährt.

Doch das Rennen hat mehr als einen Sieger hervorgebracht: Da ist zum einen der überraschende Pierre Gasly auf dem vierten Platz mit seinem Toro Rosso, da ist zum anderen Kevin Magnussen auf dem starken 5. Platz – das erste Resultat des Haas-Fahrers 2018 – und da ist zum weiteren Fernando Alonso auf einem starken 7. Platz mit seinem McLaren und da ist zum letzten – und das ist eine weitere grosse Überraschung – Marcus Ericsson auf Alfa Romeo Sauber auf dem 9. Platz. Wann war nochmals Sauber das letzte Mal unter den Top 10, vor wie vielen Jahren? Die beiden grossen Teams – Mercedes und Ferrari – fahren noch vorne weg um den Sieg – aber im Mittelfeld befindet sich ein spannendes Feld an grossartigen und starken, ebenbürtigen Teams, die sich nichts schenken und das Formel-1-Rennen spannend machen wie seit Jahren nicht mehr.

2018 Bahrain Grand Prix – Resultate
1 Sebastian Vettel, Ferrari Ferrari –
2 Valtteri Bottas, Mercedes Mercedes 0.699
3 Lewis Hamilton, Mercedes Mercedes 6.512
4 Pierre Gasly, Toro Rosso Honda 1’02.234
5 Kevin Magnussen, Haas Ferrari 1’15.046
6 Nico Hülkenberg, Renault Renault 1’39.024
7 Fernando Alonso, McLaren Renault 1 lap
8 Stoffel Vandoorne, McLaren Renault 1 lap
9 Marcus Ericsson, Sauber Ferrari 1 lap
10 Esteban Ocon, Force India Mercedes 1 lap
11 Carlos Sainz Jr., Renault Renault 1 lap
12 Sergio Perez, Force India Mercedes 1 lap
13 Brendon Hartley, Toro Rosso Honda 1 lap
14 Charles Leclerc, Sauber Ferrari 1 lap
15 Romain Grosjean, Haas Ferrari 1 lap
16 Lance Stroll, Williams Mercedes 1 lap
17 Sergey Sirotkin, Williams Mercedes 1 lap
Kimi Raikkonen, Ferrari Ferrari DNF
Max Verstappen, Red Bull TAG DNF
Daniel Ricciardo, Red Bull TAG DNF

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