Erdbeben in der Fahrradbranche: Die Accell Group ist konkurs

Die Accell Group ist konkurs. Der grösste Anbieter von Ebikes und zweitgrösste Anbieter von Fahrradteilen und Zubehör in Europa ist pleite. über die verschiedenen Tochtergesellschaften in unterschiedlichen Ländern wird nun das Insolvenzverfahren eröffnet.

Mit Marken wie Haibike, Ghost, Winora oder Lapierre hatte sich der holländische Fahrradkonzern in Europa über Jahrzehnte einen Namen gemacht. Damit soll nun Schluss sein. Am 5. August 2026 teilte die Accell Group mit, dass keine tragfähige Lösung für den Fortbestand des Geschäftsbetriebes gefunden werden konnte. Nun werden in den verschiedenen Ländern über die diversen Marken und Unternehmen Insolvenzverfahren eingeleitet und durchgeführt. Betroffen sind die Marken „Batavus, Sparta, Koga, Winora, Ghost, Haibike, Lapierre, Raleigh, Carqon, XLC, Bike Parts, Juncker, Tunturi, Babboe und Loekie“.

Insbesondere für die Händler ist dies nun eine schwierige Situation. Mitten in der Saison platzt die Nachricht wie eine Bombe in ihr Geschäft und sie müssen nun darauf achten, ob sie die bestellte Ware noch bekommen oder nicht, ob sie noch weiter bestellen können oder nicht und wie es weitergehen kann, denn die Insolvenzverfahren der einzelnen Marken bedeuten nicht unbedingt das sofortige Ende. In den unterschiedlichen Ländern wird das Insolvenzverfahren unterschiedlich durchgeführt. Es wird zwar ein Sachwalter eingeführt, aber der Betrieb wird für die nächsten Monate fortgeführt. Gleichzeitig werden sich Händlern nach verlässlichen Alternativen umsehen.

Corona und das nie endende Elend
Als 2020 die Corona-Krise ausbrach, erlebte die Fahrradbranche einen nie dagewesenen Hipe, schliesslich wollten sich die Menschen vor dem Corona-Virus schützen, indem sie die öffentlichen Verkehrsmittel mieden und auf Individualverkehr umsattelten, was den Fahrradhändlern in die Hände spielten. Doch nach dem Fest folgte der Katzenjammer. Plötzlich standen die Hersteller  vor überfüllten Lagern mit Fahrrädern, die kein Mensch mehr haben wollte, denn nach Abbruch der Corona-Krise brach der Absatz ein, doch die Hersteller hatten darauf spekuliert, dass es immer so schön weitergehe und sich damit verspekuliert.

Wie das Fachmagazin „Tour“ schreibt, verkaufte die Accell Group 2022 noch 845’000 Bikes, doch 2024 brach der Umsatz um 22% ein, weshalb die Schulden in die Höhe schossen, weshalb bereits früher ein Schuldenschnitt mit den Gläubigern vereinbart werden musste. Das Unternehmen versuchte durch die Schliessung von zahlreichen Standorten und die Verlagerung der Produktion von Holland nach Ungarn Kosten einzusparen, doch es war wohl zu spät, um die massive Überschuldung zu stoppen.

Die Accell Group schreibt…
„5. AUGUST 2026, Die Accell Group Holding B.V. und ihre niederländischen Tochtergesellschaften (zusammen „Accell“ oder die „Gruppe“), ein europäischer Hersteller von Fahrrädern und Fahrradteilen mit globaler Präsenz, geben heute bekannt, dass nach eingehender Prüfung aller Alternativen den niederländischen Gesellschaften ein Zahlungsaufschub gewährt wurde. Im Februar dieses Jahres erzielte Accell nach einer grundlegenden operativen Restrukturierung eine Einigung mit ihren Aktionären und Kreditgebern über zusätzliche Finanzmittel und einen deutlichen Schuldenabbau. Im Zuge dieser Vereinbarung ging das Eigentum an Accell an die Kreditgeber über. Diese Eigentümerstruktur war nicht als langfristig gedacht. Seitdem haben Accell und ihre Berater alle Möglichkeiten für die Zukunft der Gruppe geprüft, darunter Gespräche mit mehreren Interessenten, die Prüfung mehrerer Angebote und die Einholung der behördlichen Genehmigung für eine mögliche Fusion. Trotz dieser umfangreichen Bemühungen konnte keine tragfähige Lösung für den Fortbestand des Geschäftsbetriebs von Accell in der jetzigen Form gefunden werden. Nachdem alle verfügbaren Optionen ausgeschöpft wurden, hat der Vorstand der Gruppe festgestellt, dass sie ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr fristgerecht nachkommen kann und die Einleitung lokaler Insolvenzverfahren für die betroffenen Tochtergesellschaften der notwendige nächste Schritt ist.

Jonas Nilsson, CEO: „Angesichts all der Anstrengungen und Erfolge, die wir mit Unterstützung unserer Aktionäre und Kreditgeber bei der Restrukturierung der Geschäftstätigkeit und Finanzen von Accell erzielt haben, ist dies eine zutiefst traurige und frustrierende Situation. Es ist ein besonders schwieriger Moment für unsere Mitarbeiter, Gläubiger, Kunden, Lieferanten und Partner. Wir haben jede realistische Option für die Zukunft des Unternehmens eingehend geprüft, doch keine hat zu einer Lösung geführt, die den Fortbestand der Gruppe in ihrer jetzigen Form ermöglicht. Unser Hauptaugenmerk liegt nun darauf, einen geordneten Prozess zu unterstützen, so viel Transparenz wie möglich zu schaffen und mit den zuständigen, vom Gericht bestellten Insolvenzverwaltern zusammenzuarbeiten, um – soweit möglich – tragfähige Geschäftsbereiche und Arbeitsplätze zu erhalten.“ Die Gruppe wird weitere Informationen veröffentlichen, sobald diese verfügbar sind.

Schock für die Branche und die Kunden
Der unerwartete Konkurs dieser grossen Fahrradgruppe schockiert die Branche und die Kunden. die Kunden müssen sich ernsthaft fragen, wem man überhaupt noch trauen kann, denn offensichtlich haben auch grosse und bekannte Namen der Fahrradbranche grosse Probleme, von denen man in der Öffentlichkeit nichts wusste. Die nahe Zukunft wird zeigen, wie sich die einzelnen Marken entwickeln werden, ob sie verschwinden oder ob sie dank eines neuen Investors überleben werden.

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