MTB Bregenzerwald: Waden einschmieren! | Sportguide
 
Mrz 23, 7 Monaten ago

MTB Bregenzerwald: Waden einschmieren!

MTB Bregenzerwald: Waden einschmieren!

450 km Mountainbike-Trails zwischen sanften Hügeln und imposanten Gebirgen, durch romantische Flusstäler und weite Ebenen an zahllosen Hütten und Alpen vorbei, mit oder ohne Gondel, das ist die Region Bregenzerwald ganz im Westen Österreichs. Heute berichte ich euch über zwei knackige MTB-Touren in der Region, zum einen über die Tour um die Kanisfluh und zum anderen über die Tour um die Mittagsfluh. Waden einschmieren, ist angesagt!

von Lisa Riedlsperger

Hätte ich bloß nicht auf Johannes gehört und lieber den Lift genommen. „Das schaffst du locker“ hat Johannes Larch, der Betreiber der Bikeschule heute Morgen gemeint, als er mir von seiner Lieblingstour „Diedams-Neuhornbach Joch-Runde“ vorgeschwärmt hat. Er hat schon recht, es sind ja nur 1’300 Höhenmeter vom „Mountain Bike Holidays“ Hotel Adler in Au bis zum Gipfel am Diedamskopf. Es ist aber teilweise so steil, dass ich Mühe habe, das Vorderrad am Boden zu halten, obwohl ich mit dem Brustbein bereits am Vorbau meines Bikes aufliege. Diese Kleinigkeit hat der geprüfte Bike-Guide und Fahrtechnik-Trainer nicht erwähnt – vielleicht deshalb, weil dieser Anstieg für ihn, als durchtrainierten Biker, kein großes Problem darstellt. Allein die großartige Landschaft lässt mich die Strapazen vergessen und so lande ich schweißgebadet, aber trotzdem überglücklich am höchsten Punkt der Tour.

MTB-Region Bregenzerwald
Ich befinde mich im Bregenzerwald, im äußersten Westen von Österreich und möchte in den kommenden Tagen die Region südöstlich von Bregenz, der Landeshauptstadt von Vorarlberg, mit meinem Mountainbike erkunden. 450 Kilometer ausgewiesene Touren in allen Schwierigkeitsstufen ziehen sich durch die abwechslungsreiche Landschaft. Sanfte Hügel, weite Ebenen und romantische Flusstäler sind da genauso zu finden, wie imposante Gipfel mit langen Anstiegen. Einige der Touren lassen sich gut mit einer Gondelfahrt kombinieren, sofern man nicht „freiwillig“ auf diese Erleichterung verzichtet.

Der Diedamskopf empfängt mich mit einem grandiosen Panorama auf die umliegenden Gipfel vom Allgäu über den Arlberg bis hin zur Silvretta. Mit einem Stück vom regionalen Bergkäse und dem köstlichen Gebäck, das ich zum Glück noch in meinen Rucksack gesteckt habe, fülle ich meine Energie-Reserven wieder auf. Ich versuche noch den traumhaften Ausblick mit einigen Fotos einzufangen und mache ich mich anschließend auf den Weg Richtung Tal. Ein herrlicher Trail schlängelt sich über 300 Hm bis zum Diedamssattel und lässt mein Biker-Herz höher schlagen. Die erhöhte Herzfrequenz behalte ich in der anschließenden Tragepassage gezwungenermaßen bei und wieder laufen mir die Schweißperlen über die Stirn. Zum Glück ist es nur ein kurzes Stück bis zum Übergang am Neuhornbach Joch. Der nun folgende Trail ist noch schöner, als der Erste und endet direkt am Neuhornbachhaus, wo ich bei einem erfrischenden Getränk auf der sonnigen Terrasse, den wunderbaren Blick über das Tal genieße.

Rund um die Kanisfluh
Nachdem ich im Hotel das 5-Gang Gourmet Menü aus Tones Küche genossen habe, bespreche ich mit Johannes die morgige Tour, die wir diesmal gemeinsam in Angriff nehmen wollen. Rund um die Kanisfluh ist für Fort-geschrittene der Klassiker im Bregenzerwald. Der weitgehend isoliert stehende, sagenumwobene Kalkstock gilt als das Wahrzeichen der Region und besticht mit einer sensationellen Aussicht. Zur Sicherheit fülle ich meinen Teller mit den Köstlichkeiten, die am reichhaltigen Frühstücksbuffet angeboten werden, bis zum Rand voll, um keine bösen Überraschungen zu erleben und bestens vorbereitet in die 43 km lange Tour mit gut 1’200 Hm zu starten. Von Au müssen wir zunächst auf der Straße Richtung Damüls, zweigen aber bereits nach wenigen Kilometern auf eine gut zu befahrende Forststraße, die durch einen schattigen Wald zum Alpengasthof Edelweiß führt. Außerhalb des Waldes öffnet sich die einzigartige Almlandschaft am Fuße der Kanisfluh. Der imposante Berg ist Lebensraum von rund 70 Stück Steinwild, beherbergt aber auch fast 1’000 verschiedene Schmetterlingsarten. Die Älpler betreiben hier eine Drei-Stufen-Landwirtschaft, indem sie Jahr für Jahr die Tiere vom Tal zunächst auf die sogenannte Vorsäß auf etwa 1’000 Meter Höhe führe, bevor es im Sommer in die Hochlagen der Alpzone geht. Eben diese Alpzone ist es auch, über die wir nun mit unseren Stollenreifen rollen und dabei die schönsten Panoramen genießen. In einem ständigen Auf und Ab führt der Alpweg an einer Vielzahl von Hütten vorbei. An der besonders urigen, komplett mit Schindeln gedeckten Alpe Wurzach, die bekannt ist für ihre typische Wälder Hausmannskost, legen wir eine Pause. Der Wirt verwöhnt uns mit regionalen Käseköstlichkeiten und führt uns anschließend in seinen Keller, wo eine beachtliche Zahl der gelben Laibe lagert. In der Sennerei der Alpe Wurzach wird Alp-Bergkäse hergestellt. Die besondere Würze und den einzigartigen Geschmack erhält der Käse aus der klaren Bergluft – auf einer Seehöhe von 1’650 Meter, zwischen Vogelgesang und Kuhglocken, kann das schmackhafte Produkt besonders gut reifen. Die abwechslungsreiche Fahrt über die idyllische Vorsäß mit ihren Hütten und kleinen Bächen führt uns schließlich an den Mellenbach, dem wir talauswärts folgen. Am imposanten Mellentaler Wasserfall legen wir noch einen kurzen Stopp ein, ehe wir in der Ortschaft Mellau die Rückseite der Kanisfluh erreichen und am Radweg zurück nach Au fahren.

Den Kopf voll mit Eindrücken meiner ersten beiden Touren, suche ich Entspannung im großzügigen Wellness-Bereich im Hotel Adler. Sauna mit Lichttherapie, ein Sanarium mit exotischen Düften, sowie ein Dampfbad mit Solenebel und Sternenhimmel stehen zur Verfügung und ich kann mich einfach nicht entscheiden. Geschwitzt habe ich bereits zur Genüge, also wähle ich das Sanarium. Bei etwas geringerer Temperatur und Luftfeuchtigkeit entspannen Körper und Geist gleichermaßen und meine Gedanken schweifen schon wieder zu den möglichen Touren für den morgigen Tag. Johannes Larch hat eine schwere Tour rund um die Mittagsfluh erwähnt, die genau in meinen Plan passt und nach dieser wunderbaren Regeneration auch zu schaffen sein sollte. Aufgrund der beeindruckenden Eckdaten mit 49 km und 1’753 hm werde ich aber auch heute Abend wieder eine Extrarunde durch das fantastische Salatbuffet drehen.

„Da kannst du stolz sein, das schaffen nicht viele!“

Heute begleitet mich Karl-Heinz, der zweite Guide der hauseigenen Bikeschule. Genau wie sein Kollege, wirkt auch er durchtrainiert und überaus kompetent. Er verspricht mir gleich zu Beginn, dass wir heute noch einmal „einen draufsetzen werden“. Mit der Frage: „Hast du deine Waden auch gut geschmiert?“, starten wir auch schon los und beginnen die Runde mit einem 5 km langen Anstieg zum Stoggersattel. Ganz locker und gemütlich klettern wir die angenehme Steigung hinauf, bis wir nach etwa 500 Höhenmetern in einer Kehre halten. „Jetzt wird es hart“ meint Karl-Heinz und deutet auf den Weg, der am Bach entlang empor führt und sich einer Wand gleich bedrohlich vor uns aufstellt. Zweifeln bringt nichts und so versuche ich, meinem Begleiter zu folgen, der sich spielerisch Meter für Meter die Rampe hocharbeitet. Ich spüre, wie mein Pulsschlag immer schneller wird, die Beinmuskulatur schmerzt, aber ich bin total fokussiert und erreiche mit allerletzter Kraft den Sattel. „Da kannst du stolz sein! Das schaffen nicht viele“ – dieser Satz treibt mir ein breites Lächeln ins Gesicht und lässt meine Brust anschwellen. Die Schmerzen in den Oberschenkel sind ebenfalls wieder vergessen und bestens gelaunt geht es in die erste richtig colle Abfahrt Richtung Schönenbach. Für eine Ein-kehr ist es eigentlich noch viel zu früh, aber am Jagdgasthaus Egender muss man einfach kurz Verweilen. Inmitten dieser traumhaften Vorsäß wurde ein „Kleinod aus Holz“ errichtet, das sich wunderbar in die umgebende Land-schaft einfügt und einen absolut friedlichen Eindruck hinterlässt. Bei einer Tasse Kaffee lassen wir die Seele baumeln, nehmen die Ruhe in uns auf und tanken Energie für die kommenden Herausforderungen – und damit meine ich nicht nur die Körperlichen. Von meinem Guide erfahre ich, dass die berühmten Bregenzerwälder Käsknöpfle hier besonders ausgezeichnet schmecken und ich beschließe, beim nächsten Mal zur Mittagszeit hier aufzuschlagen. Etwas schwermütig machen wir uns wieder auf den Weg. Einem kurzen An-stieg folgt eine weitere Abfahrt Richtung Iferwies Alpe. Der Blick in die tiefe Schlucht der Subersach ist einfach grandios. Der zweite lange Anstieg des Tages steht nun auf dem Programm und endet mit einer kurzen Schiebepassage am Schreibersattel. Wieder haben wir einen traumhaften Aussichtspunkt erreicht und eine Vielzahl an Hütten passiert. Niemals zuvor bin ich in einer Region, mit einer derartigen Dichte an geöffneten Almhütten unterwegs gewesen. Speziell für Wanderer muss das hier ein wahres Paradies sein. Über prächtige Almflächen gelangen wir nach einer gemächlichen Abfahrt zum Sonderdach, wo wir im Berggasthaus an der Mittelstation der Seilbahn Bezau unsere Mittagspause einlegen. Toni Innauer, der Skisprung Olympiasieger, ist hier aufgewachsen und auf unzähligen Bildern zu sehen. Er hat sicher auch schon hier gesessen und die köstlichen Käsknöpfle probiert, die mir und meinem Begleiter Kraft geben sollen, für die 500 Höhenmeter, die verteilt auf drei Anstiege heute Nachmittag noch vor uns liegen. Zunächst befahren wir aber einen genialen Trail, der flüssig durch den Wald bis zur Talstation der Bergbahn führt und in den landschaftlich schönsten Teil der Tour mündet. Entlang des Rimsbaches, vorbei an Rimsgrundvor-säß und Marktobelvorsäß gewinnen wir wieder an Höhe, ehe wir am Ortsrand von Bizau auf die Straße treffen. Der Bregenzer Ache folgen wir schlussendlich von Schnepfau bis zum Ausgangs-punkt unserer Runde.

Karl-Heinz hat nicht zu viel versprochen – die abwechslungsreiche Tour besticht mit landschaftlichen Highlights, tollen Trails und dem typischen Bregenzer-wälder Flair. Die Region Bregenzerwald hat mich voll überzeugt. Ganz sicher komme ich wieder, dann aber mit der ganzen Familie.

Anreise
Mit dem Auto von Zürich über die Autobahn Winterthur –
St. Gallen – St. Margrethen, bei Lustenau über die Grenze nach Österreich, Bundesland Vorarlberg: 140 km, 1.5 Std.

Region
450 km MTB-Trails in allen Schwierigkeitsgraden in einer ländlichen Alpenregion im Westen Österreich an der Grenze zur Schweiz und Deutschland

MTB Hotels

Hotel Rössle
Argenau 96, A-6883 Au
Telefon +43 5515 2216
www.roessle-au.at

Hotel Adler
Lisse 90, A-6883 Au
Telefon +43 5515 2264
www.adler-au.at

Weitere Regionen und Hotels bei Mountain Bike Holidays unter www.bike-holidays.com

Adresse
Bregenzerwald Tourismus
Gerbe 1135, A-6863 Egg,
Vorarlberg, Österreich
Tel +43 5512 23 65
www.bregenzerwald.at
info@bregenzerwald.at

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