Australian Open 2015: Wawrinka zeigt riesiges Kämpferherz im Halbfinale

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Wie zu erwarten war, zeigt sich auch bei dieser Begegnung der beiden an einem Grand Slam ein spannendes, kämpferisches und kräftezehrendes Spiel, das sich über fünf Sätze hinzieht. Nachdem es im ersten Satz eng zu und her geht, den am Ende Djokovic übers Tie-Break gewinnt, holt sich Wawrinka deutlich den zweiten Satz. Wawrinka zeigt sich wie gewohnt sehr kämpferisch: Er liegt im dritten Satz 0:3 zurück und holt zum 4:4 auf und verliert wirklich etwas unglücklich, beinahe unnötig den dritten Satz mit 6:4 – Djokovic:Wawrinka.

Im 4. Satz zeigt Wawrinka Charakter
Djokovic schlägt auf und holt sich sein erstes Aufschlagspiel. Wawrinka verliert wieder etwas unglücklich sein Aufschlagspiel und liegt gleich wieder 2:0 hinten. Doch Wawrinka kämpft sich zurück, macht Druck: Das dritte Aufschlagspiel 15:0, 15:15, 15:30, 15:40 und plötzlich hat Wawrinka zwei Breakchancen. Wawrinka kann punkten und Djokovic verliert sein Aufschlagspiel: es steht 2:1. Wawrinka spielt auf, Djokovic wirkt etwas fragil, unsicher, schwach, das macht Hoffnung auf Seiten der Schweizer Fans. Wawrinka hat klar mehr Winner, doch leider auch mehr “unforced Errors”. Und plötzlich liegt Wawrinka bei eigenem Aufschlag hinten mit 40:15, doch er zeigt Charakter und liefert einen beeindruckenden Bilderbuch-Stopball und verkürzt dasmit auf 40:30. Auch den zweiten Breakball von Djokovic kann Stan abwehren. Das ist die fast typische Situation von Wawrinka im Spiel: Er liegt hinten, fast hoffnungslos, und kämpft sich wieder zurück, beeindruckend. Von 40:15 kann er schliesslich auf Deuce aufholen und nach Advantage das Spiel zum 2:2 für sich entscheiden. Ein hart umkämpftes, aber überzeugendes Game von Wawrinka, der Mann hat Charakter. Es geht auf und ab, auf starke Spielzüge folgen schwache Returns. Nach 3:2 steht es 3:3 und alle Schweizer hoffen, dass Wawrinka Djokovic breaken kann. Und Djokovic zeigt unmögliche Returns, sodass Wawrinka es wirtklich schafft, dem Serben sein Aufschlagspiel abzunehmen. Wawrinka führt 3:4 und schlägt auf. Das ist die Chance, den Satz vorzeitig klar zu machen. Djokovic zeigt schwache Returns, Wawrinka liefert dagegen eine konstant hohe Leistung. Bei eigenem Aufschlag zeigt sich Wawrinka entschlossen und serviert gleich zu Beginn ein Ass zum 0:15, gefolgt von einem zweiten Ass zum 0:30, er steigert sich zum 0:40 und holt sich die Führung zum 3:5. Djokovic versucht Druck zu machen, doch Wawrinka widersteht und bald steht es 15:40 und Wawrinka hat zwei Breakbälle zum Satzausgleich. Mit einer starken Forehand kann Wawrinka den Satz für sich entscheiden, bei welchem er zu Beginn hinten lag. Die Analyse zeigt: 11 Winner für Wawrinka, 0 Winner für Djokovic im vierten Satz. Der Schweizer wird dominanter und dominanter.

Der 5. Satz wird zum Krimi
Und es kommt zum alles entscheidenden 5. Satz. Djokovic schlägt auf. Wawrinka zeigt ein ganz starkes Returnspiel und es steht bereits 15:30 D:W. Trotz Aufschlag Djokovic steht es bereits beim ersten Aufschlagspiel von Djokovic Deuce 40:40, Wawrinka macht Druck, will schon zu Beginn das Break, doch Djokovic kann mit Glück sein Aufschlagspiel gewinnen. Es steht 1:0 D:W im 5. Satz. Und um Gottes Willen, unverhofft holt sich Djokovic das Break zum 2:0, Wawrinka macht zwar das Spiel und schlägt die Winner, aber eben leider auch die Fehler, vielleicht hat er es zu sehr gewollt, kann er sich wieder wie im 4. Satz zuvor zurückkämpfen? Es ist ein echter Krimi, aber immer mit Wawrinka in Rücklage. Wir drücken die Daumen ganz fest. Hat “Stan” Djokovic durch seine Fehler stark gemacht? Es scheint ein wenig so, Djokovic überzeugt nicht, doch Wawrinka macht mehr Fehler, die Folge es steht plötzlich 3:0 für Djokovic im 5. Satz. Und nun scheint das Unglück seinen Lauf zu nehmen, denn um Himmels Willen, trotz eigenen Aufschlages von Wawrinka und eines guten Spiels steht es 0:30 für Djokovic, Wawrinka dreht etwas auf, doch Djokovic wirkt stärker und Wawrinka schlägt teils schlecht zurück: Die Folge, es steht 40:40 und nun hat Djokovic die Doppelbreakchance, und oh Gott, er kann sie nutzen! Zu viele Fehler von Wawrinka hieven den Serben auf den satten Vorsprung von 4:0 im 5. Satz. Was für eine Katastrophe aus Schweizer Sicht! Auch Djokovic scheint müde und begeht Fehler 30:30, 30:40, Breakchance Wawrinka, doch er kann sie nicht nutzen, Advantage Djokovic doch wieder Deuce, es geht hin und her, wieder Advantage Djokovic und wieder Deuce, wieder ein Scheissreturn von Stan, wieder Advantage Djokovic, und mit einem ASS holt sich Djokovic auch dieses Game und es steht 5:0 D:W. Damit hat Djokovic diesen Satz, den er unter Druck begann zu seinen Gunsten gedreht und macht nun Druck auf Wawrinka. Jetzt muss ein Tenniswunder her! Stan schlägt auf, wirkt stark, doch Djokovic wirkt durch seine hohe Führung erstarkt, ja, befreit, und kann bei 30:30 auf 30:40 ausbauen und seinen Matchball erarbeiten und ihn gleich zum Sieg ausnutzen. Schade all die ehrliche und grossartige Arbeit von Wawrinka, doch zu viele Fehler im 5. Satz und es steht 6:0 für Djokovic. Das bedeutet eine fast ein wenig ungerechte Niederlage für Wawrinka, wenn man an all seine beeindruckende Aufholarbeit im 4. Satz denkt, doch vielleicht hat am Ende auch die physische und mentale Kraft gefehlt, um weiterhin mit solchem Druck gegen Djokovic zu punkten. Damit zieht Novak Djokovic ins Finale ein und Stanislas Wawrinka scheidet zum Bedauern der Schweizer Tennisfans im Halbfinale aus dem Turnier!

Insgesamt ist es ein Krimi geworden, wenngleich nicht so spektakulär wie letztes Jahr. Wawrinka hat das Spiel über weite Phasen dominiert, das Spiel gemacht, am Ende haben sich die vielen unnötigen Fehler auf Seiten Wawrinkas jedoch gerächt und die starke Aufholjagd des Schweizer wurde letztlich nicht belohnt. Das Resultat des letztens Satzes spielt in keinster Weise das Spiel wieder. Ganz besonders für die Schweizer Tennisfans ist der Ausgang des Spiels schade und wäre vielleicht auch bei umgekehrten Ausgang gerechter gewesen, aber das ist nunmal der Sport. Für die Australian Open heisst das, wir erleben ein würdiges Endspiel mit Andy Murray und Novak Djokovic, und für Stanslas Wawrinka heisst dies das Ende seiner Australian Open 2015.

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